Berlin Mitte – Galerie Degenhartt zeigt vom 24. Januar bis 7. März 2009 in der Ausstellung Nachtleben Fotografie und Malerei von Doris Conrads, Anne Kathrin Greiner und Karen Stuke.
Es ist ein besonderer Reiz, der die Nacht auszeichnet. Mit Einbruch der Dunkelheit wird der Mensch in einen neuen, anderen Raum versetzt, in dem die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Sinnentrug verschwimmen, man taucht in eine Welt voll bedrohlicher Wahrnehmungen, ungreifbarer Gefahren und einer tief in uns liegenden Verängstigung. Dennoch fasziniert die Nacht mit ihren geschärften Hörwahrnehmungen, mit all ihrer Tiefe und Undurchdringlichkeit. Ein guter Teil des Lebens findet bei Nacht statt. Viele große Schriftsteller schrieben bei Nacht, Künstler arbeiten bei Nacht, manche Werke wären ohne die Dunkelheit nicht entstanden. Drei nächtliche Räume, in denen das weitestgehend abwesende Leben imaginiert werden kann, zeigt die Ausstellung Nachtleben. Ungewöhnlich, aber folgerichtig ist es, diese Ausstellung nur bei Nacht zu öffnen. Daher ist die Ausstellung jeweils von 19.00 Uhr bis 24.00 Uhr zugänglich.
Karen Stukes Bilder aus der Serie sleeping sister, eine ihrer offenen Fotoserien – zu denen auch Aufnahmen ganzer Theateraufführungen und aus sich drehenden Fernsehtürmen gehören – sind mit der Lochkamera, jeweils eine ganze Nacht lang aufgenommen. Diese Fotografien besitzen eine leuchtende, fast magische Oberfläche. Nach erstem Hinsehen erkennt man den intimen Raum der Schlafenden (die Fotografien entstehen meist auf Reisen) und entdeckt im Bild sowie in der eigenen Imagination eine andere Welt, die des Traumes, eine, die nicht sichtbar ist und doch sofort präsent wird.
Karen Stuke studierte in Groningen und Bielefeld Fotografie
und Kommunikationsdesign. Sie lebt und arbeitet in Berlin und führt neben ihrer Arbeit als Fotografin den Kronenboden, einen Raum für Theaterkunst. Ihre Aufmerksamkeit gilt vor allem der Arbeit mit der Camera Obscura sowie dem Theater.
Die fotografische Serie Theatres of play der in Großbritannien ausgebildeten Künstlerin Anne Kathrin Greiner zeigt menschenleere nächtliche Szenarien, nicht in Gebäuden, sondern im erweiterten Raum der Stadt. Eine vertraute Umgebung wird uns hier in ungewohnter, nahezu mysteriöser Weise präsentiert. Auch im weiteren Sinne entfaltet sich ein Spiel aus Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Sichtbarem und Unsichtbarem, Realität und Traum. Die bei Tageslicht betrachtet eher banal erscheinenden Elemente entfalten im Dämmerlicht ein Eigenleben, das vielfältige Assoziationen zulässt.
Anne Kathrin Greiner studierte in Siena, Edinburgh und London. Ihre preisgekrönten Arbeiten werden auf Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, unter anderem bei Hauser & Wirth in Zürich und im Reykjaviker Museum für Fotografie.
In den Himmelsbildern von Doris Conrads werden wir in einen deutlich erweiterten Raum versetzt, den des Himmels und den des gesamten Alls. Seit jeher ist Doris Conrads in ihren Arbeiten an Themen wie Übergang, Weite oder Grenzenlosigkeit interessiert. Eine ihrer wesentlichen Themenreihen widmet sie dem Nachthimmel, dessen Weite dem Gedanken freien Raum gibt. In ihm konzentrieren sich Gedanken zur relativen Ohnmacht des Menschen, aber auch Fragestellungen, die durch die wissenschaftliche Forschung evoziert werden und an denen das menschliche Selbstverständnis stets aufs Neue geprüft werden muss. Dabei kommt ihrer ruhigen, geduldigen Suche in einem langen Gestaltungsprozess eine zentrale Rolle zu; die Bildträger werden immer wieder überarbeitet, bis eine angemessene Tiefe erreicht ist.
Doris Conrads studierte an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt (Städelschule) bei Raimer Jochims, war seither in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten und ist Lehrbeauftragte der Universität Marburg.
Vernissage am 23. Januar 2009, 19.00 Uhr
Dauer der Ausstellung 24. Januar bis 07. März 2009, jeweils Di – Sa, 19.00 – 24.00 Uhr
Druckfähige Dateien und weitere Informationen unter: www.galerie-degenhartt.de
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