Columbo & family
Meine Familie ist groß und wächst ständig. Trotz allgemein beklagten Geburtenrückgangs scheinen sich unsere Verwandtschaftslinien schnell und epidemieartig in alle Richtungen auszubreiten. Bald ist kein Tag des Jahres mehr frei, an dem nicht einer Nichte, Tante, Cousine zweiten Grades, einem Schwippschwager oder entfernten Nenn-Onkel zum Geburtstag zu gratulieren wäre. Müsste ich alle beschenken, wäre ich längst im Armenhaus gelandet. Sobald das Telefon läutet, zucke ich inzwischen erschrocken zusammen. Es könnte wieder bedrohlich werden… Wenn ich Pech habe, gehe ich dennoch ran und es meldet sich eine schmerzhaft fröhliche Stimme, die mir geschäftig ins Ohr flötet. Jeglicher Widerstand ist zwecklos, und so klingelt es auch schon an der Tür, kaum dass ich den Hörer aufgelegt und den ersten verzweifelten Fluchtversuch unternommen habe. Dinosaurierartig dröhnt das Trampeln der spontan in mein kleines Biotop einfallenden Familien-Horde im Flur. Doch Columbo scheint meine Familienphobie keineswegs zu teilen. Ganz im Gegenteil. Er ist immer schier aus dem Häuschen, wenn die lieben Verwandten die Bude stürmen und steigert mit der Demonstration seiner echten herzlichen Freude mein ohnehin schlechtes Gewissen ins Unermessliche. Während ich noch bei den Vorbereitungen bin, den Wölfen, vor allem den kleinen, gleich möglichst viel Kuchen, Negerküsse und Gummibärchen zum Frass vorzuwerfen, um sie gnädig zu stimmen, und damit womöglich einen Teil meiner Wohnungseinrichtung vor kometenhaften, Unheil bringenden Fußballschüssen zu retten, leckt Columbo den Ankömmlingen schon liebevoll die Hände. Sein kräftiges Hinterteil wird dank seiner freudig wedelnden Rute den ganzen Nachmittag nicht mehr zum Stillstand kommen. Oben am Treppenabsatz stehend wird er niemanden durchlassen, ohne ihn aufgeregt zu begrüßen und ein Büschel heller Haare an der Sonntagsgeradrobe zu hinterlassen. War er der Vorhut noch aufgeregt entgegen gerannt, bleibt er nun, um nicht selbst den Überblick bei der Menge an großen und kleinen Menschen zu verlieren, an einem Fleck und lässt sich geduldig den Kopf tätscheln. Beim Eimerweise Kaffeekochen höre ich einen spitzen Schrei aus dem Flur: Ein Kind hat Columbos stürmischem Begrüßungsritual nicht standhalten können und war auf den Fußboden geplumpst, wo ihm jetzt als Wiedergutmachung von einer riesigen rauen rosa Zunge erbarmungslos die Pausbäckchen geleckt werden. Mit Schreck geweiteten Augen und Speichel glänzenden Wangen kommt es schließlich zu mir in die Küche geflüchtet.
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